| Der Kleingärtnerverein „Am Paradiesweg e.V.“ wurde 1979 gegründet.
Restflächen, die landwirtschaftlich nur schwer zu bewirtschaften waren, wurden an Kleingärtner zur Nutzung vergeben.
Die Fläche der jetzigen Anlage und die Fläche nördlich hinter der jetzigen Anlagengrenze wurden durch die LPG und die Stadt Joachimsthal als Kleingartenanlage bereitgestellt. Es handelte sich um Rest- und Ödlandflächen mit welliger Oberfläche, die langjährig nicht genutzt wurden. Eigentümer waren ehemalige Einzelbauern, die ihr Land in die LPG eingebracht hatten und teilweise die Stadt Joachimsthal.
Der Bürgermeister der Stadt war bemüht, die Gärten besonders für Joachimsthaler Bürger bereitzustellen.
Die Erschließung des Geländes
Bei der Vorbereitung der Parzellierung ergab sich auf der Grundlage der damals üblichen Flächen von ca. 400 m² pro Parzelle eine Gesamtzahl von 85 Gärten.
Nach der Erstellung eines ersten Lageplanes und wegen der schwierigen Geländestruktur der nördlichen Hälfte der Fläche, wurden zwei Bauabschnitte für die Gesamtanlage festgelegt.
Da die südliche Hälfte für einen kurzfristigen Arbeitsbeginn geeignet erschien, wurde mit den Vorbereitungen für die Parzellen 46-85 gemäß Lageplan begonnen. Diese Nummerierung, aus heutiger Sicht unverständlich, wurde beibehalten, da ja der
2. Bauabschnitt folgen sollte.
Der Bürgermeister und einige Interessenten haben etwa im September 1979 Bürger besonders aus Joachimsthal, aber auch aus Altenhof, Eberswalde und sogar aus Schwedt zu einer Gründungsversammlung eingeladen.
Durch den Bürgermeister und Interessenten wie Herrn Kühlmann und Herrn Dressler wurden das Vorhaben und die Aufgaben des ersten Bauabschnittes näher vorgestellt.
Den Anwesenden wurde erläutert, dass alle Arbeiten in Eigenleistung zu erbringen sind und besondere staatliche Förderungen bei der Material- oder Technikbereitstellung nicht zu erwarten sind.
Es wurde auch klar gestellt, dass es sich um eine Kleingartensparte mit der Bedingung von Obst- und Gemüseanbau handelt.
Auf der Gründungsversammlung wurden die Gartenfreunde für folgende Funktionen gewählt:
Vorsitzender: Fritz Schwuchow
Kassierer: Dietmar Mäcke
Bauverantwortlicher: Jürgen Kühlmann
Verantwortlicher für Elektroanlagen: Jörg Kotte
Als erste praktische Aktion erfolgte im Frühjahr 1980 die Vermessung des ersten Bauabschnittes. Gartenfreund Dressler war staatlich vereidigter Vermesser. So war es möglich, unverzüglich mit den Arbeiten zu beginnen.
Die Gartenfreunde Dressler, Schwuchow, Kotte und Wolf haben die erforderlichen Eckpfähle gesetzt und Bänder zu Kennzeichnung der Wege und Gartenflächen gespannt.
Die Parzellen wurden ausgelost
Im Losverfahren wurden dann die einzelnen Parzellen vergeben.
Zur Bebauung war der seinerzeit übliche individuelle Baukörper Typ „Sonnenstein“ oder Fertigteilbauten vom Typ „GL 26“ zugelassen.
1980 begannen die ersten Gartenfreunde mit Vorbereitungen, wie kleinere Geländeregulierungen und der Urbarmachung. Fundamente wurden eingebracht und so waren im ersten Jahr Baufortschritte und der Beginn von Gartenarbeiten zu sehen.
Zu diesem Zeitpunkt waren weder Elektroenergie noch Wasser in der Anlage verfügbar. Wasser wurde in Fässern antransportiert. Handarbeit war angesagt. Fast jeder Gartenbesitzer besaß einen PKW mit Hängerkupplung und einen Hänger, mit denen die Transportprobleme gelöst wurden.
Versorgung mit Strom und Wasser
Mit den staatlichen Stellen wurden Verhandlungen zur Versorgung mit Strom und Wasser aufgenommen.
Da in der DDR neben dem Material Arbeitskräfte immer ein Engpass waren, wurde letztendlich entschieden, dass die Rohrleitungen für Wasser und die Kabel für die Stromversorgung durch die Versorgungsbetriebe kostenlos bereitzustellen sind und die Erdarbeiten durch die Kleingärtner zu leisten sind.
Bedingung war, dass die Kabel von der Trafostation an der Einfahrt zur Tankstelle Joachimsthal bis zum Ferienobjekt am Kaiserbahnhof (jetzt öffentliche Gaststätte) und die Wasserleitung von den letzten Häusern am Paradiesweg (auf dem Feldweg der von der Gartenanlage in Richtung ALDI verläuft) ebenfalls bis zum Ferienobjekt verlegt werden.
Ein besonderes Problem war die Durchörterung der Strassen für die Kabel. Straßensperrungen wurden nicht genehmigt. Mit Hilfe einer mit Pressluft betriebenen Spezialeinrichtung wurden Rohre unter die Fahrbahn getrieben, durch die dann die Kabel geführt wurden.
Schwierige Probleme waren zu lösen
Da die Bürger einfallsreich bei der Lösung aller Probleme waren, gelang es auf Umwegen einen Bagger zu organisieren, der die mehrere 100 m langen Gräben für Wasserrohr und Kabel und deren Wiederverfüllung ausführte. Bei den Arbeiten zeigte sich, dass oft größere Steine aus der Trasse entfernt werden mussten, die für Handarbeit nahezu unüberwindliche Hindernisse darstellten.
Am Ende war es dann gelungen, die Gartenanlage mit Wasser und Strom zu versorgen.
Sowohl Wasser als auch Strom waren begrenzte Ressourcen. Uns wurden 2000 m³ Wasser pro Jahr und 650 W Anschlusswert pro Parzelle zugeteilt. Da nur ein Hauptwasserzähler für die Gesamtanlage eingebaut werden konnte, wurde Wasser nicht gespart und etwa jährlich 2400 m³ verbraucht. (z. Zt. liegt der Verbrauch bei Einzelmessung bei ca. 700 m³ pro Jahr).
Uns wurde der Bau eines zentralen Brunnens vorgeschlagen. Durch den Brunnenbauer wurde eingeschätzt, dass eine Tiefe von ca. 40 m erforderlich wäre. Bei ca. 15 m wurden die 1984 ausgeführten Arbeiten abgebrochen, da man auf ein unüberwindliches Hindernis getroffen war. Das Projekt wurde eingestellt.
Wechsel im Vorstand
In diesem Jahr fand dann der erste Wechsel im Vorstand statt. Da Fritz Schwuchow aus gesundheitlichen Gründen nicht weiter Vorsitzender sein konnte, erfolgte eine Neuwahl.
Rainer Meier wurde am 10.12.1984 zum Vorsitzen gewählt und führte diese Funktion bis zum 05.06.1998 aus. Unter seiner Leitung wurde die Gartenanlage planmäßig weiterentwickelt. Die größte Aufgabe bestand wohl in der Überleitung der Gartensparte in einen eingetragenen Verein mit Satzung und Eintrag im Vereinsregister.
Leider ist es uns in der Zeit nicht gelungen regelmäßige Gartenfeste zu organisieren, die das Vereinsleben noch weiter hätten entwickeln können.
Die notwendigen Arbeitseinsätze haben regelmäßig stattgefunden, wobei die Teilnahme immer gut war.
Am 06.06.1998 übernahm Helfried Nöckel den Staffelstab des Vorsitzenden, da Rainer Meier aus gesundheitlichen Gründen die Aufgabe nicht weiterführen konnte. Der Vorstand blieb im Wesentlichen über lange Zeit personell unverändert, so war die Voraussetzung für Kontinuität in der Vereinsarbeit gegeben.
Eine Frau führt die Geschicke des Vereins 
Am 12.07.2003 wurde dann Sigrid Wilkens als erste Frau zur Vorsitzenden gewählt. Sie hat die Vorstandsarbeit weiter entwickelt und konsequent auf die Einhaltung der Gartenordnung und die Beschlüsse des Vereins gedrungen.
Aktivitäten im Verein
Gartenbegehungen, Arbeitseinsätze und regelmäßige Versammlungen gehören zur Arbeit wie auch endlich ein jährliches Gartenfest. Da sich für unsere kleine Anlage ein Gartenlokal nicht realisieren lässt, wurde ein Zelt angeschafft, in dem gefeiert aber auch Versammlungen abgehalten werden.
Die ursprünglich geplante Zusammensetzung der Mitglieder, im Wesentlichen aus Joachimsthalern bzw. aus der näheren Umgebung, hat sich überlebt.
Auf Grund der Nähe zum Werbellinsee ist unsere Gartenanlage auch für Berliner interessant geworden, was sich in der Mitgliederzusammensetzung zeigt. Bei Pächterwechseln hat sich diese Situation bisher positiv ausgewirkt.
Bisher ist es uns sehr schnell gelungen, frei werdende Gärten an neue Pächter zu verpachten.
Text: Martin Wolf
Fotos: Peter Friedrich |